Den deutschen Banken
geht es blendend
Große Institute verzeichnen Gewinnsprung trotz
steigender Kapitalanforderungen
Von
Anna Sleegers
Eine
gute Nachricht vorweg: Die deutschen Banken sind stabiler geworden. Diesen
Schluss erlaubt eine Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young, die
sich die Jahresberichte der 13 größten heimischen Banken näher angeschaut hat.
Es sind die selben Institute, die sich dem Stresstest
der europäischen Bankenaufsicht EBA unterziehen müssen: Von BayernLB
über die genossenschaftlichen DZ Bank bis zur Deutschen Bank sind alle drei
Säulen der Kreditwirtschaft vertreten.
Unter dem Strich haben die großen Häuser im
vergangenen Jahr mit deutlich mehr Eigenkapital gearbeitet als 2009. Im Schnitt
stieg der Puffer, der die Steuerzahler davor schützt, für die nächste
Bankenrettung zur Kasse gebeten zu werden, um zwölf Prozent auf 150 Milliarden
Euro. Deutlich gestiegen ist auch die Kernkapitalquote, die das Eigenkapital
ins Verhältnis zu den eingegangenen Risiken setzt: Sie stieg von
durchschnittlich 9,2 Prozent auf 12,9 Prozent.
Nun ist diese Kennziffer mit Vorsicht zu genießen,
weil die Banken bei der Beurteilung ihres eigenen Risikoprofils einen gewissen
Ermessensspielraum haben. Bemerkenswert ist der Anstieg trotzdem. Er zeigt, wie
substanzlos das Wettern der Branche über die angebliche Überregulierung ist. Es
werde an zu vielen Stellschrauben gleichzeitig gedreht, so der Kommentar der
Branche zur Bankenabgabe, den gestiegenen Kapitalanforderungen für alle
Institute und der noch im Raum stehenden Sonderbehandlung der systemrelevanten
Banken.
Mit ungekannter Einigkeit klagen Privatbanker,
Kreditgenossen und Sparkassendirektoren darüber, dass die
neuen Auflagen die Luft abzuschnüren drohe. Die Zahlen sprechen eine andere
Sprache. Denn obwohl sie im vergangenen Jahr notgedrungen einen beträchtlichen
Risikopuffer aufgebaut haben, geht es den großen der Branche blendend.
Zusammengenommen wiesen sie einen Gewinn nach Steuern von 5,3 Milliarden Euro
aus nach einem Vorjahresverlust in der selben
Größenordnung.
Hauptgrund ist der Wirtschaftsboom. Mit der
Konjunkturerholung sinkt das Risiko, dass Kredite nicht zurückgezahlt werden -
und die Wirtschaftsprüfer erlauben den Banken, die Risikovorsorge
zurückzufahren. Im Schnitt sank die Risikovorsorge um 66 Prozent oder 13
Milliarden Euro.
Dass die Zeiten der roten Zahlen vorerst vorbei
sind, ist erfreulich. Richtig gut wird die Nachricht aber erst, wenn die im
Boom erwirtschafteten Gewinne in die richtigen Kanäle fließen. Besser als
Dividendenausschüttungen sind noch dickere Kapitalpolster. Finanzministerium
und Bankenaufsicht sollten daher das Jammern der Lobbyisten ignorieren und die
Stellschrauben noch etwas anziehen.
FR 12.5.11