Bald dürfen Ärzte
Heroin verschreiben
http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/Bald-duerfen-Aerzte-Heroin-verschreiben-id2781958.html
Düsseldorf, 25.03.2010, Michael Mücke nrz
Düsseldorf. Die letzte Hürde ist bald genommen.
Bürgermeisterin Agnes-Marie Strack-Zimmermann (FDP) zeigt sich sichtlich
erleichtert. Bald soll es auch in Düsseldorf - vermutlich im Gesundheitsamt -
synthetisches Heroin für schwerstkranke Abhängige geben.
Strack-Zimmermann: „Wir helfen den Ärmsten der Armen, aus
dem Teufelskreis der Kriminalität zu kommen und in Würde zu leben.“ Anfang der
90er Jahre stand Düsseldorf auf der Auswahlliste für ein Pilotprojekt. Doch der
damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin hielt dies für den völlig falschen
Weg. Der Staat dürfe keine Drogen verabreichen.
In Bonn und Frankfurt wurde ein fünfjähriger Versuch
gestartet. Mit Erfolg. Im Vorjahr beschloss darauf der Bundestag ein Gesetz zur
Verabreichung von „Diamorphin“ an Schwerstkranke. Das synthetisch hergestellte
Heroin wurde inzwischen als Arzneimittel zugelassen. Die Krankenkassen sind
bereit, die Kosten zu übernehmen. Jetzt muss nur noch der
NRW-Gesundheitsminister einige Verfahrensregeln mit Kommunen und
Bezirksregierungen klären „Das passiert in Kürze“, so ein Sprecher. Danach
erteilt der Regierungspräsident die Erlaubnisse an Ärzte, die die Auflagen
erfüllen.
In Düsseldorf macht sich Strack-Zimmermann dafür stark, dass
im Gesundheitsamt eine Abgabestelle eingerichtet wird. „Dort kann das
professionell ablaufen. Das Amt ist in der Lage, das Konzept zu erstellen.“
Auf jeden Fall will die Politik bei der Umsetzung ein
Wörtchen mitreden. Deshalb fragen die Fraktionen von CDU/FDP heute im Rat nach
dem Stand der Dinge. „Wir wollen uns frühzeitig vorbereiten“, betont
CDU-Fraktionschef Friedrich G. Conzen. Er wünscht sich, dass sich die
Beschaffungskriminalität verringert. Ein Fixer benötigt bis zu 2000 Euro
wöchentlich, um seine Abhängigkeit zu finanzieren. Die meisten haben dafür das
Geld nicht. Sie besorgen es sich durch Prostitution, Diebstähle, Autoaufbrüche.
Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm: etliche Millionen pro Jahr.
In Düsseldorf gibt es, so die Polizei, bis zu 4000 Heroin-
und Kokainabhängige. Diamorphin werden aber nur ganz wenige erhalten: Sie
müssen seit mehr als fünf Jahren abhängig und über 23 Jahre alt sein und zwei
erfolglose Therapieversuche hinter sich haben.
CDU und FDP wollen Drogenkranken helfen
(hdf) Mit einer aktuellen Anfrage in der heutigen
Ratssitzung wollen die Mehrheitsfraktionen die Beschaffungskriminalität von
Schwerstabhängigen bekämpfen. Die Bürgermeister Marie-Agnes Strack-Zimmermann
und Friedrich G. Conzen fragen, wie die Stadt das „Diamorphin-Gesetz“ in
Düsseldorf umsetzt. Es sieht vor, dass Schwerstabhängige unter ärztlicher
Aufsicht das Betäubungsmittel Diamorphin erhalten. „Wir wollen das in
Düsseldorf anbieten, müssen aber klären, welche Ärzte dafür in Frage kommen“,
sagte Strack-Zimmermann auf RP-Anfrage.
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.71
Datum: Donnerstag, den 25. März 2010
Seite: Nr.28