Arbeitslos: Studie über Hartz IV mit bedrückenden Ergebnissen
http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/Studie-ueber-Hartz-IV-mit-bedrueckenden-Ergebnissen-id3887160.html

Am Freitag den 29.10 findet im Büro der
Obdachlosenzeitung Fifty Fifty
an der Ellerstraße eine PK statt. Im bild v.li Thomas Wagner,Holger
Kirchhöfer und Thomas Giese. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Düsseldorf. „Unmenschlich“, so beschreibt Dozent Thomas Wagner das
bedrückende Ergebnis einer Umfrage unter Düsseldorfern, die von Hartz IV leben müssen. Er fordert als Konsequenz aus der
Studie: „Auf Sanktionen muss verzichtet werden.“
So sieht sie aus, die Wahrheit über die Praxis der „Arge“ mit Hartz IV:
„Wer nicht hören will, muss fühlen“, hat Dozent Thomas Wagner das
bedrückende Ergebnis einer Umfrage
unter 251 „Hartzern“ überschrieben. Studenten des
Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften von Professor Dr. Thomas Münch
haben im Sommer vor der „Arge Mitte“ an der Luisenstraße
in Düsseldorf die Praxis zu Protokoll genommen. Das Ergebnis kommentierte der
Autor jetzt mit: „Unmenschlich!“ Wagner: „Der Sanktions-Mechanismus stammt aus
der schwärzesten pädagogischen Zeit. Wer seine Unterlagen nicht rechtzeitig
zusammen hat, bekommt grundsätzlich 30 Prozent für drei Monate gekürzt. Es handelt
sich dabei nicht um Einzelfälle. Jeder fünfte hat Kürzungen erlebt.“
Besonders schlimm seien Kürzungen für „kumulative Vergehen“. Wagner: „Jemand
kann komplett ohne Leistungen dastehen. Leute unter 25 Jahren können auch ohne
Wohnung dastehen.“
Im Büro von Fiftyfifty an der Höhenstraße weiß man
auch, dass durch Sanktionen gegen Jugendliche rechtswidrig Gelder für ganze
Familien gekürzt wurden. Berichtet wird ein krasser Vorfall, wo eine Frau in
Not mit einem fünf Tage alten Säugling vom Arge-Sachbearbeiter weder einen Cent
Bargeld noch Lebensmittelgutscheine bekam. Thomas Giese von der
Arbeitslosen-Initiative wurde rausgeworfen und mit Security
zum Ausgang begleitet, hat aber doch noch einen Vorgesetzten erwischt und für
eine Barauszahlung an die junge Mutter gesorgt.
Oliver Ongaro, Streetworker bei Fiftyfifty, hält das ganze System für „realitätsfern“. Er
stemmt sich gegen einen neu zu beobachtenden alten Trend, Hartz-IV-Bezieher
als arbeitsfaul „aus der Gesellschaft rauskegeln zu wollen“. Die
Regelsatz-Erhöhung um fünf Euro - „ein Hohn!“
Holger Kirchhöfer vom Initiativkreis Armut wendet
sich gegen Schönfärbereien in der Bundestagsdebatte: „Für die Betroffenen,
besonders für Kinder in Armut, hat sich nichts geändert. Es funktioniert
einfach nicht.“
Thomas Wagner, der seine Studenten weiterhin mit der Sozialstaatspraxis
konfrontieren will, fordert als Konsequenz aus der wissenschaftlichen
Aufarbeitung der Befragungen: „Auf Sanktionen muss verzichtet werden. Aus der
strafenden Behörde muss eine fördernde Institution werden. Auch Kinder müssen
den vollen Satz des Arbeitslosengeldes II bekommen.“
In der neuesten Ausgabe der Straßenzeitung Fiftyfifty
trägt der Hartz-IV-Artikel den Titel „Du kommst da
nie mehr raus“. Thomas Giese: „Das ist kein Pessimismus, das ist Realismus.“
Hartz IV
- Fluch oder Segen?